2011-05-18

21 Tage auf dem Pazifik


21½ Tage auf dem Pazifik

18. 05. - 8.06.2011

Mittwoch, 18.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 1.Tag, 135 sm
Wir sind wieder unterwegs. Um 7h50 fahren wir los und verlassen die einmaligen Galapagos-Inseln. Die „Freyja“ von Antje und Holger fährt etwa eine halbe Stunde nach uns los, aber wir verlieren sie sofort aus den Augen.
Eigentlich wollten wir ja schon gestern Dienstag lossegeln. Aber es hatte riesige, etwa 3,5m hohe Wellen und dazu fast keinen Wind. Eine Riesenbrandung strömte in die Ankerbucht und wir schaukelten wie verrückt hin und her. Die Strandpromenade von San Cristóbal wurde von den Brechern überflutet und Dreck und Steine wurden auf die Strasse geschleudert. Den Seelöwen schienen die Wellen zu gefallen, sie schmissen sich genüsslich mitten hinein und liessen sich dann mit der nächsten Welle wieder an den Strand tragen.
Am Nachmittag gingen wir mit Monika und Eric, Antje und Holger per Wassertaxi an Land und liefen dann zur wunderschönen und gut geschützten Bucht Tijera, um dort mit den Seelöwen zu schnorcheln. Wow, war das herrlich! Die Seelöwen sind unheimliche Schwimmkünstler und zeigten uns ein paar ihrer Schwimmfähigkeiten. Einfach nur toll!
Aber jetzt sind wir also unterwegs zu neuen Abenteuern. Es läuft gut. Um 14h23 werden wir brutal vom Lesen (ich) und Dösen (Paul) aufgeschreckt. Hilfe, wir haben einen Fisch am Angelhaken! Wir befinden uns am Rande einer etwa 50m tiefen „Untiefe“. Ich hatte Paul für diese Stelle einen grossen Fisch vorausgesagt. Und es ist ein Grosser, ein 80cm langer und bestimmt 10 kg schwerer Gelbflossen-Thunfisch. Nein, so gross hätte er nicht sein müssen. Er ist für zwei Personen viel zu gross. Nach der blutigen Schlachterei haben wir über 4.5 kg wunderbares Fischfleisch im Kühlfach.
Zum Abendessen gibt es gleich mal gebratenen Fisch, Kartoffeln und Bohnensalat aus grünen Bohnen, während ein goldener, herrlicher Vollmond über dem Meer aufsteigt.

Donnerstag, 19.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 2.Tag, 109 sm
In der Nacht läuft es nicht mehr so gut wie gestern den ganzen Tag. Trotzdem lassen wir den Motor nicht an. Wir schlafen beide im Cockpit, aber beide eher schlecht. Der Vollmond scheint uns lange Zeit direkt in die Augen.
Die Fahrt während des Tages ist nicht sehr berauschend und es hat sehr unangenehme Wellen. Gegen Abend haben wir noch 7 Knoten Wind und fahren , Strömung sei Dank, trotzdem noch 3.5-4 Knoten schnell dahin.
Es ist 21h45, ein Mond, wie ein gelbes Eidotter, hängt am Himmel. Wir haben uns soeben gemütlich im Cockpit für die Nacht eingerichtet. Plötzlich schlagen die Segel wie wild und die MABUHAY steht bockstill. Sie macht keinen Wank mehr vorwärts. Sie schaukelt nur noch am Ort wie wahnsinnig hin und her. Paul leuchtet mit dem starken Scheinwerfer (500'000 Kerzen) am Heck ins schwarze Wasser. Mein liebster Mann ist ja ein GENIALER ALLESREPARIERER, aber in Stress-Situationen ist er ein totaler KOMMUNIKATIONSMUFFEL! Auf meine freundliche Fragen:“Und, was ist los? Siehst Du etwas? Was ist passiert?“ bekomme ich natürlich keine Antwort! Und irgendwann, erfahre auch ICH dann doch noch, was eigentlich geschehen ist. Wir haben nämlich ein Fischernetz eingefahren und hängen fest. Es ist nicht zu glauben! Der Pazifik ist 181'349'000 km² gross, unter uns hat es 3800m tiefes Wasser. Wir sind 205 sm von Galapagos entfernt und haben noch 2850 sm bis zu den Marquesas. Und die MABUHAY verfängt sich in einem Fischernetz...! Wir rollen beide Segel ein, damit kein Druck mehr auf dem Schiff ist. Dann leuchte ich mit den 500´000 Kerzen ins Wasser. Paul kann das Netz seitlich am Schiff mit dem Bootshaken fassen. Ich rase schnell nach unten in die Küche und hole ein Messer. Mit dem gleichen Messer, mit dem wir gestern den Fisch geschlachtet haben, zersäbelt Paul jetzt das dicke Nylonseil, das er heraufgefischt hat. Die ganze Prozedur wiederholen wir nochmals mit dem 2. Seil und sofort merken wir, dass die Strömung uns wieder vorantreibt. Wir sind frei! Wir setzen wieder die beiden Segel und gehen wieder auf Schleichfahrt. Das ganze hat kaum eine halbe Stunde gedauert. Uff, Glück gehabt. Trotzdem fragen wir uns, wo dieses Netz herkommt. Gehört es zu den beiden Fischerschiffen, deren Lichter wir ganz weit entfernt sehen können?

Freitag, 20.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 3.Tag, 96,6 sm
Heute sind die Wellen sehr viel angenehmer als gestern. Wir fühlen uns nicht mehr so in der Waschmaschine und die Segel schlagen auch nicht mehr so. Mit 7-8 Knoten Wind fahren wir den ganzen Tag etwa 4 Knoten „schnell“ (= 7.4 km/Stunde, wow!). Und zwischendurch schlagen die Segel halt trotzdem immer wieder, dass es uns enorm nervt. Am Nachmittag duschen wir am Heck mit eiskaltem Pazifikwasser. Brrr..., das ist besonders fürs Haare waschen sehr prickelnd! Und Paul findet, heute sei das Wasser ganz speziell salzig....
Um 19h, bei Günther's Funknetz aus Contadora erfahren wir, dass viele andere Segler, die die gleiche Strecke fahren wie wir, auch nicht viel besseren Wind haben als wir.

Samstag, 21.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 4.Tag, 145 sm
Irgendwann in der Nacht, so gegen 04h, kommt endlich ein bisschen mehr Wind auf. 12-14 Knoten und wir rasen mit 6 Knoten dahin. Jetzt müssen wir aufholen, was wir gestern zu langsam waren. Es ist leicht bewölkt und ein schöner sonniger Tag, nur Abends um 18h gibt es einen ganz kurzen Regenschauer. Den ganzen Tag läuft es prima.

Sonntag, 22.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 5.Tag, 183 sm
Die ganze Nacht flitzen wir, trotz gerefften Segeln wie der Blitz dahin. Und tatsächlich stellt die MABUHAY heute auch den absoluten Seemeilen-Rekord für sich auf.
Paul räumt schon morgens um 7h30 die vielen Kadaver der fliegenden Fische und der kleinen Tintenfische vom Deck und wirft sie ins Meer. Es sind bestimmt 20 Stück, die grässliche Flecken auf dem weissen Deck hinterlassen. Paul findet, das hätte ein Mittagessen gegeben. Pfui Teufel!
Den ganzen Tag sind 15-20 Knoten Wind und wir brettern nur so dahin. Ein fliegender Fisch verirrt sich ins Cockpit. Er bekommt eine zweite Chance und wird wieder zurück in sein Element befördert. Es rumpelt und schlingert, wir sind im Schleudergang der Waschmaschine!

Montag, 23.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 6.Tag, 147 sm
Weil es gestern gegen Abend wieder ein paar Tropfen geregnet hat und die Nächte hier auf dem offenen Pazifik ziemlich kühl sind, haben wir beide unten geschlafen. Ich in der Bugkabine und Paul im Salon. Abwechselnd gehen wir nach oben und schauen uns um. Am Morgen räumt Paul wieder die kleinen toten Fische vom Deck.
Heute haben wir den 100. Längengrad überquert. Es läuft nicht mehr so schnell, 12-14 Knoten Wind aus SE, Kurs 250°, immer westwärts. Gegen 15h regnet es ganz leicht und kurz.

Dienstag, 24.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 7.Tag, 146 sm
Wir machen die ganze Nacht gute Fahrt, aber sehr ruppig, wegen den 2-3m hohen Wellen.
Wir haben einen ziemlichen Zeiten-Salat! Paul hat auf seiner Armbanduhr Panama-Zeit. Wegen der Funkrunde um 20h mit Günther auf Contadora will er partout seine Uhr nicht verstellen. Ich habe auf meiner Uhr noch die „normale“ Galapagos-Zeit, die noch gilt, bis wir über den 105. Längengrad sind. Im Cockpit haben wir eine Uhr, die hat Galapagos-Zeit minus 1 Stunde. Das kommt wegen der täglichen 3-maligen Funkrunde mit ELAN (Frank und Dörthe), der „Double Moon“ (Walter) und ANDORI (Doris und Andi), die alle drei Tage VOR uns in Galapagos gestartet sind. Und alle vor uns liegen (ANDORI nur noch ganz knapp). AROHA mit Monika und Eric sind einen Tag nach uns los und liegen kurz HINTER uns. Und zu guter Letzt haben wir unten im Salon, beim Kartentisch, eine Uhr, die zeigt uns UTC an (das hiess früher Greenwich-Time). Die "koordinierte Weltzeit" wird international als UTC abgekürzt. ("Universal Time Coordinated").
Und ich habe immer noch die MEZ (Mitteleuropäische Zeit) im Kopf, damit ich immer an zu Hause denken kann.
Aber sonst geht es uns gut und wir haben keine Probleme.

Mittwoch, 25.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 8.Tag, 132 sm
Am Morgen als wir aufstehen ist es zuerst sehr bewölkt, aber dann kommt doch noch die Sonne durch. Wir haben den 105. Längengrad überfahren (das tönt gefährlich, war es aber gar nicht) und ich stelle meine Uhr um 1 Stunde zurück. Puhhh, so können wir die Galapagos-Zeit in unserem Zeiten-Salat abhaken. Eine Zeit weniger die uns verwirrt. Juhuuu..., wir haben „nur“ noch 2'000sm (ca 3'700km) vor uns! Obwohl es ja eigentlich sehr gut läuft,kann ich es kaum erwarten, auf den Marquesas, genauer auf der Insel Fatu Hiva, anzukommen. Heute ist erst unser 8.Tag und ich mag schon nicht mehr sitzen. Wie soll das nur werden bis zum Ziel?
Paul räumt wieder mal die toten Fische vom Deck und findet dabei das Schutzgitter von der Decksbeleuchtung. Aha, das war es also, was wir in der Nacht auf's Deck haben fallen hören. Das schlagende Vorsegel hat das Schutzgitter losgerissen.

Donnerstag, 26.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 9.Tag, 145 sm
In der Nacht lässt der Wind nach und kommt jetzt aus Osten. Die Segel, vor allem das Vorsegel schlagen ständig und Paul kann es nicht mehr hören. Morgens um 6h40 baumen wir das Vorsegel mit dem Spibaum aus und fahren jetzt mit Schmetterlingsbesegelung 270° westwärts. Die Strömung und der Wind haben uns in der Nacht nach Süden versetzt. Nun sind nur noch 6-10 Knoten Wind.
Um 16h30, der Skipper hat sich soeben für ein Nickerchen in die Bugkabine gelegt, gibt es plötzlich einen Mordsknall! Mir fällt fast das Herz in die Hose! Auf mein Geschrei hin ist Paul sofort da. Die Schiene, mit der der Spibaum am Mast befestigt war (mit 6 Alu-Pop-Nieten) hat sich vom Mast losgerissen und fliegt wild durch die Gegend. Paul muss auf's Vordeck, um alles zu lösen und entwirren. Ich muss vom Cockpit aus die entsprechenden Leinen bedienen. Der Spibaum wird provisorisch mit einem dicken Seil am Mast festgemacht und der „Schmetterling“ wieder neu eingerichtet. Wir können weitersegeln...

Freitag, 27.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 10.Tag, 135 sm
Wir fahren die ganze Nacht Schmetterling und es läuft gut. Nur ist es jetzt mit der Schmetterlings-besegelung noch schaukeliger und für mich ist kochen noch unlustiger! Übrigens essen wir immer noch von unserem Megathunfisch. Jeden zweiten Tag gibt es Fisch aus dem Tiefkühlfach. An einer ca. 2 cm dicken Scheibe von dem Thunfisch essen wir zu Zweit zwei Mahlzeiten. Paul will NIE MEHR fischen. Er hat genug von Fisch, nur den frischen Thonsalat mag er noch essen.
Ich glaube mein Mann leidet unter dem „“Pazifischen-Rund-um-uns-sehr viel-Wasser-Syndrom“. Ich sage zu ihm:“Morgen will ich Heinz ein e-mail senden, er hat am Sonntag Geburtstag“. Und die ernsthafte Antwort von ihm lautet:“ Warum? Hat er Geburtstag???“ Grrr..., Männer! Soviel zum Thema: warum Männer nicht zuhören...

Samstag, 28.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 11.Tag, 123,5 sm
Heute ist es sehr bewölkt. Wir fahren immer noch Schmetterling. Aber der Wind ist nur noch ca. 10 Knoten stark und wir kommen nicht mehr so rasant voran. Es ist unser 11.Tag seit den Galapagos und wir haben immer noch keinen einzigen müden Delfin, geschweige denn einen Wal gesehen. Wir sehen aber viele (Hunderte) von kleinen fliegenden Fischen und hie und da ein paar Meerschwalben. Was die so weit entfernt vom Land machen ist uns ein Rätsel.
Wir haben noch ca. 1625 sm bis zu den Marquesas.
Es regnet zwei- oder dreimal kurz.

Sonntag, 29.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 12.Tag, 162 sm
Was für eine Nacht! Es hat fast keinen Wind, 5-6 Knoten, dafür sind die Wellen zu hoch und vor allem kommen sie von ALLEN (!) Seiten. Die MABUHAY schaukelt wie wild hin und her und damit schlagen die Segel wie verrückt. Paul versucht alle Tricks, um das einigermassen in den Griff zu bekommen, erfolglos. Es kracht und ächzt und ist fast nicht zum Aushalten. Und dazu kommen wir nur langsam voran. Paul flucht wie ein Rohrspatz und er ist dabei sehr kreativ...Er fürchtet bei jedem Schlag, dass ein Segel reisst. Wir haben am Funk gehört, dass das Schwesterschiff der MABUHAY, die österreichische „Sanuk“, beide Segel zerrissen hat, 2 m lange Risse! Sie sind auf der gleichen Strecke unterwegs wir wir.
Paul sitzt bis um 02h45 im Cockpit, dann dreht er die Segel sehr stark ein und geht ins Bett. Er kann nicht mehr! Hat jemals jemand behauptet, Segeln sei schön?

Montag, 30.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 13.Tag, 143 sm
Wir müssen unsere Uhren schon wieder um eine Stunde zurückstellen. Wir verbringen eine sehr ruhige Nacht mit guter Fahrt. Wir kommen prima voran.
Wir backen jeden zweiten Tag ein Pfund Brot. Aber wir achten sehr darauf, es erst am nächsten Tag zu essen. Wenn wir es nämlich sofort, frisch und knusprig essen würden, wären die 500 gr Brot razfaz sofort weggeputzt. So hält so ein Brot immerhin zwei Tage. Ich bereite alle Zutaten vor und Paul knetet dann den Teig. Er behauptet, das Brot werde viiiieeel besser, wenn ER es knetet...

Dienstag, 31.Mai 2011: Galapagos – Marquesas, 14.Tag, 135 sm
Wir hatten eine ruhige Nacht und es läuft nicht wahnsinnig rasant, aber auch nicht sooo schlecht. Wir nähern uns mit jeder Seemeile die wir zurücklegen unserem Ziel, und das ist für mich die Hauptsache. Wir haben noch ca. 1180 sm vor uns. Diese Strecke Galapagos-Marquesas hat es wirklich in sich. Scheinbar ist das die längste Strecke auf einer Weltumsegelung (in der Nähe des Aequators). Ich freue mich jedenfalls ungemein, wenn wir dieses Pazifik-Stück hinter uns haben.

Mittwoch, 1.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 15.Tag, 152 sm
Um 8h40 haben wir 1910 sm seit Galapagos und noch 1090 bis zu den Marquesas. Heute vor genau zwei Wochen sind wir losgesegelt. Und heute vor zwei Wochen haben wir den kapitalen Thunfisch erwischt. Heute gibt es, nach vier Tagen wieder einmal eine gebratene Scheibe von dem Fisch zum Mittagessen. Die Scheibe ist so gross, dass wir wieder nur die Hälfte davon essen. Den Rest gibt es als Thonsalat, mit viel Zwiebeln dran und gemischt mit einer Dose roter Indianerbohnen. Skipper Paul motzt:“Was? Schon wieder Fisch?“ Aber er ist brav und isst trotzdem. Grrr.... ich ärgere mich ziemlich! Und dabei haben wir noch drei dicke Tranchen von dem Fisch im Tiefkühlfach. Auf jeden Fall herrscht auf der MABUHAY Angelverbot, bis das Tiefkühlfach nicht ganz leer ist.

Donnerstag, 2.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 16.Tag, 152 sm
In der Nacht pfeift ein zünftiger Südostwind von über 20 Knoten und um 02h30 reffen (verkleinern) wir beide Segel. Trotzdem rast die MABUHAY nur so dahin. Gut so, ich freue mich über jede Seemeile die sie „frisst“...
Juhuuu..., sie werden immer weniger, die Seemeilen! Jetzt sind es unter 1000. Um 8h haben wir noch 944! Gott sei Dank! Unsere Hintern tun nämlich vom vielen Sitzen echt weh und unsere Beine sehnen sich nach einem langen Landspaziergang. Ein wenig schwimmen und plantschen am Strand wäre auch nicht schlecht. Man glaubt es nicht, dabei haben wir doch soooo viiiiiel Wasser rund um uns herum.

Freitag, 3.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 17.Tag, 165 sm
Mitten in der Nacht kommt wieder über 20 Knoten Wind auf und die MABUHAY ist nicht zu bremsen. Paul schläft wie ein Engelchen und mir wird himmelangst und bange. Ich wecke Paul und wir reffen die schon gerefften Segel nochmals. Mit zwei badetuchgrossen Segeln rast die MABUHAY mit 8-9 Knoten Geschwindigkeit wie die Feuerwehr durch die Nacht.

Ein Tag auf dem Pazifik. Unser Tagesablauf sieht seit den Galapagos immer ungefähr gleich aus:
8h00 Wir notieren die Geschwindigkeit, den Kurs, die Windrichtung-und Stärke, die Segel die gesetzt sind.
8h30 Frühstück im Cockpit. Wenn das 4-Minuten-Ei und die Konfitüren-Schnitten gegessen sind und der Kaffee getrunken ist, macht Paul unten auf der Papierkarte die immer auf dem Salontisch ausgebreite liegt, Kartenarbeit. Er trägt unsere aktuelle Position ein und rechnet aus, wieviele Meilen wir zurückgelegt haben. Unterdessen trage ich alle Daten ins Logbuch der MABUHAY ein und schreibe Tagebuchnotizen (von Hand in die Agenda)für uns und die Homepage. Anschliessend haben wir „frei“ und dösen, lesen, oder schauen in die Wellen.
12h00 Während Paul wieder alle Daten notiert und Kartenarbeit macht, um das Etmal festzustellen (Seemeilen die wir in 24 Stunden zurückgelegt haben), koche ich ein warmes Mittagessen.
14h00 Funkrunde mit AHORA und ANDORI. (ELAN und DOUBLE MOON sind schon zu weit weg und wir hören sie nicht mehr).
15h00 Es gibt Kaffee und Paul findet immer irgendwo etwas Süsses dazu.
17h00 Funkrunde mit Günther in Contadora (Panama), bei ihm ist es jetzt 20h00.
18h00 Wieder notieren aller Daten von den elektronischen Geräten. Ich mache über Pactor (über Funk) eine Positionsmeldung für die Homepage und schreibe ein oder zwei Mails, wenn es nicht zu rumplig ist
18h30 Es gibt ein kaltes Abendessen mit einem kleinen (28 gr) Schokoriegel als Bettmümpfeli.
21h00 Ruhe kehrt ein und die 3-Stunden Nachtwachen beginnen.

Samstag, 4.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 18.Tag, 165 sm
Wir brettern über das Meer. Es läuft sehr gut. Allerdings ist es zum Kochen und Haushalten sehr mühsam. Es ist das reinste Rodeo-Reiten! Gestern haben wir das allerletzte Rüebli gegessen und heute verspeist der Skipper den letzten Apfel. Jetzt haben wir an Frischgemüse nur noch Kartoffeln, Zwiebeln und Knoblauch.
Wir stellen die Uhren wieder um eine Stunde zurück.

Sonntag, 5.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 19.Tag, 139 sm
Auch in dieser Nacht rasen wir mit gerefften Segeln über den Pazifik. Die Navigationslichter, die grüne und die rote Lampe vorne am Bug funktionieren nicht mehr. Wir haben noch 460 sm bis zu den Marquesas. Schon vor dem Frühstück fliegt das Litermass durch die Küche und hat jetzt einen Spalt. Die Wellen sind 3-4 m hoch und wir schlingern dahin, Nach dem Frühstück muss Paul nach vorne zum Bug (auf den Knien und eingepickt mit einer Sicherheitsleine). Mir wird schon schlecht beim Zuschauen! Er muss die beiden sehr teuren LED-Birnen von „Lunatronic“ gegen zwei „normale“ auszuwechseln. Diese LED-Birnen sind total korrodiert und fallen auseinander. Sie waren eine sehr enttäuschende Anschaffung und ihr Geld absolut NICHT wert.
Paul hat sich heute freiwillig bereit erklärt, Fisch zu essen. Aber heute will ICH nicht. Bei diesem hohen Wellengang werde ich NICHT unten in der Küche stehen und versuchen den Fisch in der Bratpfanne zu halten. So gibt es halt heute „nur“ Linsensuppe aus der Dose.
Am Nachmittag, Paul döst gerade ein wenig vor sich hin und ich bin unten am Haare waschen, erschrecken wir uns beide ganz gewaltig. Paul hört einen Motor und wie aus dem Nichts, kommt uns ganz nahe (50 -100m) ein japanischer Fischtrawler entgegen. Seit dem zweiten Tag haben wir kein einziges Schiff mehr gesehen und jetzt plötzlich dieses so nahe. Puhhh, was für ein Schrecken...

Montag, 6.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 20.Tag, 145 sm
Die Nacht war ziemlich ruhig, mit sehr viel weniger Wind als die zwei vorherigen Nächte. Der Mond hängt als ganz schmale Sichel auf dem Rücken am Himmel. Es ist erstaunlich, wie diese kleine Sichel einen hellen Schein auf's Meer wirft.
Am Funk hören wir, dass bei der AROHA von Monika und Eric das Vorsegel zerrissen ist. Sie versuchen es zu flicken.
Ab 9h30 fahren wir wieder Schmetterling. Der Wind ist wenig, 8-10 Knoten und die Wellen sind moderat, nicht mehr so gewaltig wie gestern und so gibt es heute zum Mittagessen wieder einmal Fisch. Keiner motzt!!!!!
Wir verschlingen kiloweise Bücher. Und zwar alles, vom Krimi über den Thriller bis zur schnulzigsten Liebesstory. Nur ich habe zur Zeit ein Problem mit einem Buch. Es heisst:“Das Gold der Juden“ und eigentlich müsste man ja Jura studiert haben, um es zu verstehen, so hochkompliziert ist es geschrieben. Aber ich kämpfe mich durch! Dazu lese ich jeweils ein Kapitel davon, dann lese ich einen 500-seitigen Roman und lese dann wieder ein Kapitel des Gold-Buches. Auf den Marquesas werden wir die gelesenen Bücher mit den anderen Seglern austauschen.

Dienstag, 7.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, 21.Tag, 120 sm
Wir verbringen eine ruhige Nacht mit einigermassen gutem Wind. Aber am Morgen schwächelt der Wind. Um 12h30 bauen wir den Schmetterling wieder ab. Es ist ein wunderbar sonniger und warmer Tag. Wir segeln nicht besonders schnell, aber gemütlich dahin. Diese Reise hat uns den Pazifik als sehr, sehr unstet erleben lassen. Sei es, dass der Wind die Richtung und die Stärke ständig wechselt, oder seien es die Wellen, die das gleiche Spiel mit uns treiben. Bei der Atlantik-Überquerung konnten wir die Segel während 14 Tagen einfach stehen lassen, ohne daran irgend etwas zu verändern. Hier sind wir ständig am Kurs- oder Segelstellung wechseln.

Mittwoch, 8.Juni 2011: Galapagos – Marquesas, Fatu Hiva, Omoa, 22.Tag, 68 sm
Irgendwie war die Nacht blöd. Es hatte zu wenig Wind und wenn es Wind hatte, kam er aus der falschen Richtung. Wir bräuchten dringend Südostwind, er kommt aber aus OstNordOst. Wir können unseren Kurs nicht halten und die Segel schlagen ununterbrochen. Es nervt!
Um 6h30 ist überhaupt kein Wind mehr da. Wir starten enttäuscht den Motor. Wir haben noch 68 sm vor uns und möchten noch heute in Fatu Hiva ankommen und den Tag nicht dümpelnd auf dem Meer verbringen. Schade, jetzt sind wir drei Wochenlang nur mit Windkraft gesegelt und haben den Motor nicht angerührt. Und ausserdem ist so ein Motor saulaut.
Um 8h30 sichten wir erstmals die AHORA, knapp vor uns, die lange Zeit parallel zu uns gesegelt ist. Wir sprechen über Funk, Kanal 69 mit ihnen und erfahren, dass sie auch seit heute morgen 04h motoren. Um 12h40, wir haben noch 30 Meilen, sehen wir die Umrisse der Insel Fatu Hiva. Je näher wir kommen, desto düsterer sieht die Insel aus, total wolkenverhangen. Um 18h, es ist noch hell, ankern wir vor der Ortschaft Omoa, bei der Insel Fatu Hiva.
Danach stürzen wir uns sofort ins Meer. Dann trinken wir je eine Dose Bier und zum Abendessen gibt es Kartoffelpüree mit einer Büchse Chili con Carne (very hot!!!) und dazu ein Glas Rotwein. Dies ist unser erster Alkohol seit drei Wochen.
Etwa 30 Minuten nach uns kommt die AROHA und ankert neben uns. Sie ist einen Tag nach uns auf den Galapagos gestartet.
Wir haben 21½ Tage gebraucht für die Strecke von 3043 Seemeilen. Das ist viel schneller als wir erwartet hatten. Den Motor haben wir beim Start eine halbe Stunde lang laufen lassen und heute elfeinhalb Stunden. Das heisst wir haben etwa 25 Liter Diesel verbraucht.

Marquesas
Die Marquesas-Inseln (franz.: „Archipel des Marquises“; ursprünglicher Name „Te Fenua Enata“ oder „Te Henua Kenana“, übersetzt „Die Erde der Männer“) gehören geografisch und politisch zu Französisch-Polynesien. Sie liegen 1.600 Kilometer nordöstlich von Tahiti bei 9° Süd und 139° West (Hiva Oa) und 3000 sm westlich von Galapagos, südlich des Äquators im Pazifischen Ozean. Die Inseln wurden 1842 von Frankreich annektiert.

Die Marquesas mit 14 Inseln und zahlreichen kleinen Eilanden werden unterteilt in eine nördliche Gruppe mit den Hauptinseln Nuku Hiva, Ua Pou und Ua Huka sowie in eine südliche Gruppe mit Hiva Oa, Tahuata und Fatu Hiva. Die gesamte Landfläche umfasst 1.274 km².

Heute sind die Marquesas Französisches Übersee-Territorium und damit der EU angegliedert. Zahlungsmittel ist (noch) der an den Euro gebundene CFP-Franc. Von den 14 Inseln sind nur sieben bewohnt. Die etwa 8000 Einwohner, mehrheitlich katholischen Glaubens, leben in kleinen Dörfern. Verwaltungssitz ist Taiohae auf der Insel Nuku Hiva. Der Verwaltungshaushalt der Inseln wird wesentlich aus Subventionen von Frankreich und der EU bestritten.

Donnerstag, 9.Juni 2011: Marquesas, Fatu Hiva, Omoa – Hanavave, 3sm
Bis um 01h schlafen wir herrlich, aber dann geht die Schaukelei los! Es schaukelt so heftig, dass es uns fast aus den Betten haut. Es sind Fallwinde die die sehr steilen Hänge des Tales hinunter pfeifen und die Boote so schaukeln lassen. Am Morgen sind wir sehr enttäuscht vom Wetter und von dem starken Schwell hier.
Zum Frühstück essen wir unsere letzten zwei Eier von Contadora (Panama) (einige davon mussten unterwegs über die Kante entsorgt werden).
Vor uns im Wasser liegt eine grosse orange Boje. Von Tauchern erfahren wir, dass dort ein Versorgungsschiff gesunken ist. Gut, dass wir unseren Anker nicht direkt darüber haben fallen lassen.
Wir stellen unsere Uhren nochmals um 30 Minuten zurück. Jetzt sind wir 11½ Stunden hinter (minus) der MEZ (Mitterleuropäische Zeit) und minus 9½ Stunden bei UTC.
Um 9h heben die AROHA und wir die Anker und fahren unter Motor 3 sm weiter bis zum Ort Hanavave. Hier in der „Bay of Virgins“, „der Jungfrauenbucht“, ankern wir und hoffen, dass es hier weniger schaukelt. Die ELAN (Dörthe und Frank), die DOUBLE MOON (Walter) und die ALYA (der Schweizer Jean-Pierre), dazu ein englisches Schiff, das aussieht wie ein Piratenschiff, sind schon hier. Die Bucht ist ziemlich spektakulär, mit den mächtigen Felsformationen, die sie umgeben. Die „ELAN“ begrüsst uns mit dem Muschelhorn!
Paul wechselt mit meiner Assistenz die beiden Leinen des Vorsegels aus, die ziemlich mitgenommen aussehen. Ich darf dafür wieder einmal Brot kneten. Der Schweizer Jean-Pierre kommt um uns zu begrüssen und um uns zu fragen,ob wir am Sonntag am Erdofenessen teilnehmen würden. Ja, wir wollen! Am Nachmittag kommt er nochmals, diesmal mit der Polynesierin Desirée.
Sie macht am Sonntag das Erdofenessen. Ausserdem ist sie sehr an unseren alten Leinen interessiert. Paul gibt ihr etwa 5 Seile, die sie sehr gerne nimmt. Dafür will sie uns einen Sack voll verschiedener Früchte geben. Wir geben ihr ein Stück unseres noch warmen Brotes. Es ist prima gelungen, auch wenn ICH es geknetet habe! Jean-Pierre bekommt ein halbes Brot von uns. Dafür bringt er uns später zwei herrliche, grosse Pampelmusen.
Nachdem die beiden weg sind,schneiden wir uns gegenseitig die Haare und sind fast wieder wie neu.
Jetzt kommen noch zwei jüngere Männer in ihrem Alu-Boot und wollen Früchte mit uns tauschen. Am liebsten hätten sie Alkohol, Zigaretten oder Munition um auf die Geissenjagd zu gehen. Wir geben ihnen einen Liter Rotwein und bekommen dafür 3 Zitronen, 3 Orangen und fünf grosse Pampelmusen.

Fatu Hiva ist eine im Pazifischen Ozean gelegene Insel vulkanischen Ursprungs in der Südgruppe der Marquesas-Inseln, welche politisch und geographisch zu Französisch-Polynesien zählen.

Die Insel ist vom Landschaftsbild her die wohl spektakulärste des Archipels. Steile, dicht mit tropischem Regenwald bewachsene Basaltkegel prägen die Landschaft. Schroffe Felswände mit engen Spalten und tiefen Schluchten erheben sich unmittelbar aus dem Meer. Es gibt keinen Küstensaum. An einigen Taleinschnitten haben sich kleine Strände aus schwarzem Sand gebildet. Das Anlanden ist nur an wenigen Stellen und im Bereich der beiden Dörfer möglich. Fatu Hiva hat weder einen Hafen noch einen Flugplatz.

Die insgesamt rund 600 Einwohner der 80 km² großen Insel leben überwiegend in zwei Dörfern, Omoa und Hanavave, an der Westküste, die durch einen unbefestigten Weg über die Berge verbunden sind. Das größere der Dörfer ist Omoa mit einer katholischen Kirche, einem kleinen Laden, Post und Satelliten-Telefon. Hier gibt es auch eine kleine Privatsammlung von interessanten Kunst-, Kult- und Gebrauchsgegenständen, darunter sorgfältig gearbeitete Steinklingen aus schwarzem Basalt, die dem seltenen Besucher gerne gezeigt wird.

Die Insulaner sind überwiegend Selbstversorger. Der Verkauf von Schnitzereien und bemalten Tapa-Rindenbaststoffen an die wenigen Touristen bringt etwas Geld.

Fatu Hiva wurde durch das gleichnamige Buch von Thor Heyerdahl bekannt, der 1937/38 mit seiner damaligen Frau Liv in einer selbst gewählten Robinsonade ein Jahr auf der Insel lebte.

Freitag, 10.Juni 2011: Fatu Hiva, Hanavave
Nein, so haben wir uns die Südsee wirklich nicht vorgestellt. Die ganze Nacht und den ganzen Morgen schon fegen höllische Windböen durch unsere Ankerbucht und es pfeift und bläst wie verrückt. Die Schiffe werden gewaltig durchgeschüttelt. Aber wenigstens schaukeln wir nicht mehr, wie in Omoa. Die Wäsche die wir gewaschen haben, können wir unmöglich aufhängen, ohne dass sie davonfliegt. Dazwischen schüttet es immer wieder in Strömen. Das ist also das berühmte Südsse-Feeling! Also liebe Leute zu Hause, überhaupt kein Grund zum neidisch werden...
Eigentlich wollten wir heute morgen um 10h mit den deutschsprachigen Seglern eine Wanderung zum Wasserfall unternehmen, aber bei diesem Wind und Wetter bleiben wir alle lieber auf unseren Schiffen.
Heute morgen sind zwei neue Segelschiffe gekommen. Ein Franzose und ein Tscheche. Der Tscheche, mit der „Sayonara“ quetscht sich zuvorderst hin und veranstaltet ein Höllendurcheinander. Die heftigen Windböen reissen seinen Anker aus und er driftet weg. Mit seinem Anker reisst er die Kette von der „Alya“, vom Schweizer Jean-Pierre, aus. Den ganzen Morgen kurvt der Tscheche zwischen den Seglern herum und sucht sich einen Platz zum Ankern. Keiner will ihn vor sich haben. Scheinbar hat er nur einen kleinen Anker und nur 30m Kette. Viel zu wenig! Am Schluss ist er wieder zuvorderst, vor der „Alya“.
Paul werkelt Diverses im Schiff herum während ich schreibe. Gegen Mittag kommt unter den Seglern am Funkgerät Hektik auf. Es wird befürchtet, dass das Zollboot vorbeikommt und man darf nur 3 Tage auf den Marquesas sein, ohne einklariert zu haben. Da man hier auf der Insel Fatu Hiva nicht einklarieren kann, muss man dafür zur Insel Hiva Oa und vom Winde her ist das unsere nächste Insel. Und tatsächlich nähert sich ein riesiger grauer Kahn unserem Ankerplatz. Aber wir können Entwarnung geben; Dieses Zollboot hat eine Malta-Flagge und ist eine graue, elegante Mega-Super-Luxusyacht, die EXUMA. Kurze Zeit später trudelt ein grosses Versorgungsschiff, die ARANUI, mit haufenweise Touristen (163?) drauf hier ein. Eigentlich wollten wir heute auch an Land. Desirée hat uns gestern gesagt, dass für die Touristen eine Tanzvorführung stattfindet und wir sollten doch auch kommen. Aber bei diesen Wetterbedingungen lassen wir unsere Schiffe nicht alleine.

Samstag, 11.Juni 2011: Fatu Hiva, Hanavave
Nein, nach dieser blöden Nacht haben wir immer noch keine Südseegefühle! Die ganze Nacht hat der Wind getobt und gewütet und an den Schiffen herumgezerrt. Paul steht mindestens zehn Mal auf um nach dem Rechten zu sehen. Um 22h gibt es bei einer besonders heftigen Böe einen grossen Rumms und wir fragen uns, was passiert ist. Paul geht an Deck und findet unser Dinghy, mit samt dem schweren Motor, kopfüber auf dem Deck liegen. Vor dem Windstoss hing es an der Seite der MABUHAY, wohin wir es jeden Abend hochziehen. Wir lassen es aufs Wasser und binden es am Heck an. Während der ganzen Nacht lassen wir den Funk Kanal 72 an und hören ein paar Mal, wie Jean-Pierre von der „Alya“ und seine Nachbarn sich verständigen, wenn sie zu nahe aneinander geraten. Gegen Morgen meldet Jean-Pierre, dass sein Ruder von der Kette des anderen Bootes total quergestellt wurde. Zwischen 02h und 03h sollen die Böen am schlimmsten gewesen sein. Ich weiss es nicht, da habe ich nämlich endlich geschlafen. Um diese Zeit soll auch das grosse Versorgungsschiff weggefahren sein. Dafür sind heute zwei Katamarane neu da.
Paul repariert den ganzen Morgen unseren Salontisch, der auseinanderfällt. Der Wind ist immer noch beachtlich und die Wäsche die ich heute aufhänge ist, obwohl es zwischendurch immer wieder regnet, im Nu trocken. Endlich, am Nachmittag beruhigt sich die Wettersituation und gegen 16h gehen Paul und ich erstmals auf den Marquesas an Land. Wir schauen uns das Dörfchen Hanavave (ca. 300 Einwohner) an und spazieren bis ans Ende des Dorfes. Das Dorf ist picobello sauber, kein bisschen Müll, der herumliegt. Richtig schön. Überall grünt und blüht es. Die Kinder begrüssen uns alle freundlich auf Französisch und wollen wissen wie alt wir sind und wie wir heissen. Die Felsen rundherum sind einmalig spektakulär.
Den Abend verbringen wir gemütlich auf der MABUHAY.

Sonntag, 12.Juni 2011: (Pfingsten), Fatu Hiva, Hanavave
In der Nacht gibt es noch ein paar kurze, heftige Windböen, aber sonst ist die Lage wieder ruhig.
Ja, und jetzt kommen bei uns auch endlich die Südseegefühle hoch. Mit Jean-Pierre und Walter sind wir um 8h in der katholischen Kirche von Hanavave. Wow, da würden sich aber unsere europäischen Priester freuen, soviel Leute in der Kirche zu haben. Es hat auch ganz kleine Kinder dabei. Ein Bübchen ist 6 Wochen alt. Der Gottesdienst ist ein eindrückliches Erlebnis. Zwar findet alles auf Polynesisch statt und ich verstehe nur „Halleluja“ und „Amene“, sonst kein Wort. Die polynesische Sprache (so höre ich das jedenfalls) besteht vor allem aus Vokalen und das tönt dann etwa so:
„E te Ietu Houpo, e te Houpo meita'i, ue nui i te hua' a' enata, e tutahi to matou nui nei, mea ka'oha me te atoratio atu' ia' oe mea hahi me te tuku atu' ia'oe i to matou koekoe.“ (Aus einem Gebet).
Leider können wir bei den Liedern nicht mitsingen. Ich bringe es viermal zu „Halleluja“ und Paul versucht es mit den „aaa's“ und „uuu's“ und „ooo's“. Die Gesänge gehen unter die Haut, mich überfällt ein paar Mal ein Schauer, auch wenn es nicht immer so perfekt tönt. Alle Leute singen mit und man spürt die Begeisterung. Die Frauen haben sich in ihre schönsten Kleider geworfen und wunderschöne Blumen in ihr Haar eingearbeitet. Und viele tragen doch tatsächlich eine Hibiskus-oder Frangipaniblüte hinter dem Ohr. Ich dachte immer, das sei nur im Film oder für die Touristen so. Dies war echt ein wunderschöner Beginn des Pfingstsonntags.
Um 11h treffen wir uns mit Jean-Pierre, der das Erdofenessen organisiert hat, beim Landesteg beim Dorf. Wir laufen durch das Dorf zum Erdofen, wo wir zuschauen könnten wie das Fleisch, das wir später essen werden aus dem Erdofen gepackt wird. Wir kaufen im kleinen Laden unterwegs noch eine Flasche (1,5 Liter) CocaCola, für 7 (!!!) US$. Leider kommen wir zu spät um das Öffnen des Erdofens zu sehen. Das Essen für uns ist bereits alles in Kisten eingepackt und zu einem schönen Haus mit Terrasse transportiert worden. Die Leute, die das Erdofenessen für uns machen, sind um 03h30 aufgestanden, damit das Fleisch bis zum Mittagessen gar ist.

Erdofen
Erdöfen sind Gruben, in denen Lebensmittel mit Hilfe von im Feuer erhitzten Steinen gegart werden. der vorzugsweise im polynesischen Raum anzutreffen ist. Sie ermöglichten schonendes, feuchtes Garen bereits vor Erfindung der Töpferei – das Zubereiten von Speisen im Erdofen gehört nach dem Grillen und Rösten weltweit zu den ältesten Kochtechniken und wird regional noch heute praktiziert, z. B. in Neuguinea, Neuseeland und bei nordafrikanischen Beduinen.
Dazu wird eine Vertiefung in der Erde mit heißen Steinen ausgelegt. Das Fleisch wird in Bananen-Blättern eingewickelt, zuoberst werden Süsskartoffeln, Maniok, Yamswurzeln Brotbaumfrüchte und Bananen auf die Steine gelegt und mit Erde zugedeckt. Über einen Zeitraum von ca. 9 Stunden wird z.B.ein Schwein im Erdofen gegart.

Nun gibt es Reis mit Maiskörnern, Maniok, Yuca (wie Kartoffeln), Brotbaumfrucht, Bananen, Schweine-und Ziegenfleisch. Es ist alles sehr gut und wir schlagen uns die Bäuche voll. Trotzdem bleiben Berge von allem übrig. Jetzt essen auch noch Desirée, ihre ganze Familie und alle Helfer und immer noch hat es haufenweise Reste. Wir sind 20 Gäste. Unter anderen ist auch die Crew der Mega-Super-Luxusyacht, der EXUMA, dabei. Adolfo, der spanische Skipper und seine Frau sitzen neben mir. Ich unterhalte mich mit ihnen und am Schluss habe ich mit Adolfo vereinbart, dass er uns einen Teil der „EXUMA“ zeigt. Gegen 15h verlassen wir unsere Gastgeber und fahren mit Walter zur „EXUMA“.
Wir sehen, dass die „FREYJA“ mit Antje und Holger eingetroffen sind und begrüssen sie kurz. Sie sind etwa eine halbe Stunde NACH uns in Galapagos gestartet.
An Bord der Luxusyacht sind wir einfach nur platt!!! Wir dürfen zuerst dem Maschinenraum sehen. Paul's Augen glänzen mit den blitzblanken Maschinen und Motoren um die Wette. Danach zeigt uns Adolfo die Brücke. Hier wird alles per Computer gesteuert, was man sich nur vorstellen kann. Von hier oben sieht unsere MABUHAY, die direkt davor liegt, ganz winzig aus.
Hier einige Angabe zu der „EXUMA“: 163 Füsse lang (50m), gebaut aus Alu und Titanium in La Spezia, Italien, wird im Juli ein Jahr alt. Besitzer: ein 63-jähriger Belgier, sein Vermögen verdient mit dem Handel von Zucker, wohnhaft in Monaco, Schiff eingelöst in Malta.
Das Schiff hat 75'000 Liter Diesel an Bord. Pro Stunde verbrauchen zwei Motoren bei einer Marschfahrt von 14-15 Knoten 240 Liter Diesel. Der Generator braucht 500 Liter Diesel pro Tag. Pro Stunde werden 1200 Liter Wasser entsalzen, die Frischwassertanks fassen 20'000 Liter.
Die Crew besteht aus 10 Personen aus verschiedenen Ländern. Die ganze Crew ist 7 Tage die Woche rund um die Uhr beschäftigt mit Putzen und Glänzen. Zwei Maschinisten widmen sich voll dem Maschinenraum. Der Eigner und seine Familie kommen nur zwei- dreimal pro Jahr auf das Schiff, das nächste Mal im August in Tahiti.
An Bord gibt es ein Dinghy von 27 Fuss Länge (9m) und ein „kleines“ mit 18Fuss (6m) (unseres ist 12 Fuss), einen „HooverCraft“ (so ein Luftkissenmotorboot), ein Elektrotöffli, einen Jetski, und als Höhepunkt ein Amphibienfahrzeug (eine Art Jeep) in der Grösse eines „Hummer's“. Adolfo sagt, das sei vollkommen verrückt und sehr kompliziert, den auszuladen. Ausserdem sehen wir diverse Sportgeräte wie Surfbretter und Superfischruten.
Beindruckt, aber trotzdem zufrieden, gehen wir zu unserem MABUHAYCHEN zurück. Wir beobachten, wie die zwei Anker gehoben werden und um 16h verlässt die „EXUMA“ mit mehrmaligem freundlichem Abschiedshupen die Ankerbucht.
Um 18h30 sind wir mit Walter nochmals im Dörfchen. Wie schauen uns die Tanzübungen der Kinder an (ca. 5 Jahre – 12 Jahre alt). Sie trainieren für den 14.Juli, dem französischen Nationalfeiertag. Zu rasanter Trommelmusik tanzen sie voller Eifer und Freude.

Montag, 13.Juni 2011: Fatu Hiva, Hanavave
Während wir beim Frühstück sitzen beobachten wir in der Bucht eine grosse Gruppe Delfine (50 Stück?).Die vollführen die genialsten Kunststücke. Unermüdlich drehen sie Pirouetten und springen Saltis und doppelte Rittberger, dass es nur so spritzt. Wir haben noch nie Delfine gesehen, die so eine Show abziehen.
Paul zieht Eric auf unseren Mast hinauf. Unser Ankerlicht funktioniert nicht mehr. Eric wechselt die defekte Birne aus und es funktioniert alles wieder tadellos.
Um 11h machen wir nun doch noch endlich die verschobene Wanderung zum Wasserfall. Mit Walter, Monika, Eric, Antje, Holger, Dörthe und Frank machen wir uns auf den Weg.
Über Stock und Stein, und mit einer richtigen Kletterpartie erreichen wir nach ca. 1½ Stunden den wunderschönen Wasserfall. Das wir den überhaupt gefunden haben, grenzt an ein Wunder. Am Fusse des Wasserfalles hat es einen wunderschönen Pool, in den wir uns sofort alle stürzen. Ahhh, ist das herrlich! Danach lassen wir uns an der Sonne trocknen und essen unser mitgebrachtes Picknick. Wir beobachten einen Fisch, der aussieht wie eine Muräne, aber er hat Flossen. Es hat auch viele Tiere die aussehen, wie kleine Langusten und die uns an den Füssen kitzeln. Um 14h machen wir uns wieder auf den Rückweg, klettern wieder über den grossen Erdrutsch mit zerschmetterten Bäumen und riesigen Felsbrocken und sehen schon wieder aus wie die Schweinchen. Auf dem Rückweg sammeln wir ein paar Zitronen vom Boden auf.
Um 16h sind wir zurück im Dorf.
Von 18h30 bis 19h30 schauen wir uns die Tanzübungen der Erwachsenen an. Mann, wie die Frauen ihre Hüften schwingen und das Tempo, das die drauf haben ist unheimlich. Die Gruppe besteht aus 8 Männern und etwa 12 Frauen, von S(mall) bis XXX(Large). Aber toll ist es!

Dienstag, 14.Juni 2011: Fatu Hiva, Hanavave
Um 10h30 treffen wir uns mit Walter, Eric und Monika, Dörthe und Frank zu einer Wanderung zum Kreuz, oberhalb des Dorfes Hanavave. Ein Stück weit ist es der gleiche Weg, den wir gestern zum Wasserfall gelaufen sind. Aber heute müssen wir weiter der betonierten Piste folgen. Die Ausicht ist umwerfend schön. Wir sehen unsere winzigen Schiffchen unten in der Ankerbucht liegen. Leider können wir nicht ganz bis zum Kreuz hinauf, weil wir den Aufstieg dorthin nicht finden. Also essen wir unser Picknick halt am Wegesrande. Zurück im Dorf erfahren wir, dass man das letzte Stück des Weges bis zum Kreuz, an einem Seil hinaufklettern muss.
Paul, Walter und ich gehen noch zu Desirée, die Früchte abholen, die sie uns für die Leinen geben wollte. Die Früchte hat Jean-Pierre schon auf die MABUHAY gebracht. Desirée und ihr Mann Jaques geben uns kühles Wasser zu trinken und zeigen uns die diversen Bäume die sie in ihrem schönen Garten rund um ihr tolles Haus haben. Hier zerstechen uns die Mücken ganz zünftig.
Auf der MABUHAY finden wir dann einen Berg Früchte von Desirée. Bananen, Sternfrüchte, Mangos, Pampelmusen, Orangen, Papayas und eine grosse, grüne, stachelige Frucht, von der wir nicht wissen, wie sie heisst. Einen Teil der Bananen schenken wir Walter, Antje und Holger, weil die Bananen immer alle gleichzeitig reif werden und wir nicht so viele Bananen auf ein Mal bewältigen können.
Um 17h30 kommen Walter und Jean-Pierre zu uns zum Apéro und es wird sehr gemütlich.

Mittwoch, 15.Juni 2011: Fatu Hiva, Hanavave
Nun ist unsere Ankerbucht richtig voll geworden. 12 Schiffe sind da! Es hat ziemlich Fallwinde, aber nicht so verrückt wie letzte Woche. Dazu ist es schön und sonnig.
Wir haben heute Putztag! Im und ums Schiff herum wird gewerkelt.
Morgen geht es weiter nach Hiva Oa zum Einklarieren.


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